Sonntag, 6. Februar 2011

Veronika, der Lenz ist da ...

... am 6. Februar? Man könnte es so meinen. Für einmal brechen die Skibegeisterten nicht in die Ferien auf, um uns Flachländer unter der Nebeldecke zurückzulassen. Sondern die Sonne scheint für alle - ein herrlicher Tag für ca 25k draussen. Schon der Beginn lässt mein Herz hüpfen:

Joseboden, Villigen - Aufbruch
Weiter in Richtung Villigen - Remigen, durch die noch kahlen Rebberge. Während ich oberhalb laufe, spüre ich bereits wie die warme Luft von unten den Hang hochzieht. Der Boden, die toten Blätter des vergangenen Herbstes, das von der Kälte abgestorbene Gras - alles liegt in erdigen Brauntönen da, und die Sonne scheint mit Kraft darauf, um das Wurzelwerk darunter zum Leben zu wecken. Ich könnte singen ...




Auf dem Bürersteig schliesslich ein erster Verpflegungshalt. Im Wald zwitschern zaghaft erste Vögel ... wenn die nur nicht zu früh mit dem Nestbau beginnen. Würde mich nicht wundern wenn in zwei, drei Wochen nochmals dick Schnee fällt. Aber ich verdränge das ...

Geissberg
Es läuft fast wie von alleine. Gelegentlich schiebt mich etwas Südwind. Nur Fliegen wäre jetzt noch schöner ... mit einer kleinen Maschine selber diese Linien ins Himmelblau zeichnen. Später irgendwann - vorerst bin ich "geerdet"; Strassen, Wege, alles ist lichtdurchflutet - herrlich. Nach Mönthal hinunter ...

und weiter nach Oberbözberg ...


ein kleines Stück "heartbreak hill"; dort wo vor  fast siebzig Jahren Polen am Werk waren:



... bloss bin ich sehr erstaunt über die Sauerei neben der Strasse. Alle paar Meter Bierdosen. Wer das tut, den sollte man zum Steineklopfen und Mauerbau abkommandieren!













Doch dann bin ich oben in Oberbözberg, der Blick geht weg vom (versauten) Boden in die Ferne. Eine schöne Belohnung - und ich weiss, am Bruggerberg gibts einen Lieblingsplatz (auch meiner), dort will ich noch hin und mir das ein zweites Mal anschauen.

Blick von Oberbözberg in Richtung Süden
Die Strecke Kirchbözberg - Riniken ist einfach, es geht immer etwas bergab, mit kurzen steilen Passagen im Wald. Viele Biker und Spaziergänger sind draussen, alle haben eine gute Stimmung im bleichen Gesicht. 


Beim Gäbiweg halte ich an und schaue in Richtung Brugg. Hier stand ich als Bub, mit dem Schlitten in der Hand, und das Lägern-Herz hat mich bereits damals fasziniert:


Blick von Riniken nach Brugg

Schnell bin ich im Brugger Wald verschwunden; hier kenne ich fast jeden Pfad wie meine Hosentasche. Homerun! Der Weg beim Forsthaus ist ockerfarben und erinnert mich an Sand, ich laufe ihn auch entsprechend langsam und zäh ...












... doch dann: ein kurzer Aufstieg nur, mein Herz schlägt schneller ...



... und dann bin ich da. Das kann man nicht beschreiben:




Genug der Eindrücke. Es geht heimwärts, noch immer ist das Licht kräftig und belebend ... ich lenke die Schritte nach Villigen, müde und durstig, erfüllt und glücklich. Einige Stunden später malt jemand wunderbares Abendlicht an den Himmel, der Tag geht zu Ende, und ich weiss einmal mehr: nur draussen bin ich wirklich zuhause.



Mittwoch, 2. Februar 2011

I am flying, passing high clouds ...

Ja endlich - die Suppe löst sich auf, und es wird blau. Nichts wie raus. Los geht es, in Richtung Gebenstorf, dann gleichmässig zum Petersberg hoch, wo noch etwas Schnee liegt und die Waldwege eisig sind. Hier werde ich bestraft fürs Mittagessen: Linsen. Kohlenhydrate pur, schon, aber die Dinger liegen wie Blei im Magen, und so geht es mehr "dying" als "flying" hoch zur Baldegg. Ich hätte es wissen müssen ... keine Hülsenfrüchte vor der Anstrengung. Na, wer nicht hören will muss fühlen.


Dafür ein Aufsteller: der Turm ist geöffnet. Treppenstufen, ich liebe sie - zusammen mit vielen Kindern und ein paar Spaziergängern geht es hoch auf die Aussichtsplattform. Dunst liegt über der Landschaft, aber der Blick ist schön und der Atem wird ruhig.


Der Rest ist unspektakulär: runter zur Ruine Stein und nochmals ein herrlicher Rundumblick, dann via Ennetbaden - Siggenthal zurück in den Schachen Brugg. Es dünkt mich, die Tage seien schon länger, denn trotz ordentlich viel Zeit in den Laufschuhen ist es noch hell, als ich ankomme. Die Sonne geht orange unter, Flugzeuge malen dünne weisse Striche an den Abendhimmel, ein guter Lauf geht zu Ende und der Alltag lässt sich wieder prima aushalten.


Montag, 24. Januar 2011

Blue skies

Ein Wochenende mit Postkartenwetter. Am Samstag ein Nachmittagslauf, der nicht enden sollte: die Bise schiebt mich übers Feld, ich laufe als hätte ich Flügel. Selbst beim Eintauchen in den winterlichen Wald am Bruggerberg hält der Schwung an, obschon das Kilometerpensum der vergangenen Woche ordentlich war. Zufriedene Müdigkeit, als die Sonne hinter Remigen untergeht ...



Am Sonntag Wiederholung. Aber halt ... es zwickt. Schon beim ersten Schritt, auf dem Fussrist, beim zweiten etwas mehr, nach zweihundert Metern deutlich. Noch kein Knirschen innendrin, aber die Vorstufe: Sehnenscheide. Ach ich kenne dich doch, du Hypothek aus alter Zeit - Mist. Wieder so ein herrlicher Tag, und jetzt - Indoortraining? Mürrisch nehme ich den direkten Rückweg durch den Acker und merke dabei erst jetzt, dass hier schon zartes Grün drückt:


Also gut, rein in die gute Stube und runter in den Fitnessraum. Fenster auf. Und mal wieder den Rumpf spüren. "Beine Bauch Po", heisst das auf neudeutsch. Es braucht etwas Überwindung; Draussensein ist halt doch am Schönsten. Squats, pillar bridges, forward lunge to instep ... das ganze Core Performance-Programm durchackern, danach zwickts noch immer ein wenig, aber das Gefühl der Bewegung überwiegt. Und am Montag darauf ... lässt mich die Sehne in Ruhe. Yess!

Freitag, 21. Januar 2011

underneath the moonlight ...


... together we'll sail across the sea (Queen) ...

Übers Meer segeln, ja das wär königlich. Von Segeln keine Spur, von Dahingleiten auch nicht. Die Schritte gehen schwer, mein Hals kratzt, als ob er sich gegen die nun wieder eisige Luft wehren möchte. Zu früh gefreut auf den Frühling - Willkommen zurück, Winter. Aber der Mond macht alles wieder gut; wie ein Silberteppich liegt sein Licht über den Wiesen und macht die Stirnlampe überflüssig. So hell, dass die Wintersternbilder - genau: auch das besondere ;-) - heute Nacht nur schwer zu erkennen sind. Ab und zu ziehen, vom Nordwind gejagt, Wolkenfetzen vorüber. Ein schönes Bild, das auch noch in der Wärme danach, zuhause, wirkt.

Sonntag, 16. Januar 2011

Long legs ...


Oder vielmehr „hot legs, in your satin shoes ...“ - ? Rod Stewart meinte etwas anderes als müd gelaufene Beine in engen Läuferhosen. Heiss ist es ohnehin nicht, aber mild - und wie, auch wenn die Sonne noch lange Beine bzw. Schatten macht. Auf dem Fussweg über Villigen – Remigen – Rüfenach – Brugg durchquere ich fast schon unterschiedliche Klimazonen. Wo das Sonnenlicht noch nicht hinscheint, liegt leichter Frost am Boden, der Nebel hängt zäh in den Bäumen, und die Finger werden klamm. Im Feld dann reisst die Suppe plötzlich auf und das Himmelblau über mir lässt mich tief durchatmen und füllt mich mit Freude. Dann steht plötzlich wieder eine Nebelbank vor mir, nach wenigen Schritten tappe ich im düsteren Grau – bis ich zwischen den Bäumen am Bruggerberg erneut Blau entdecke und in die Strahlen eintauche. Ein wunderschönes Farben- und Lichtspiel ist das – mitten im Winter.




Wenn das linear so weitergeht, laufe ich in einem Monat wieder in FiveFingers, brauche im März schon Bouillon für unterwegs, und im April beginnt der Hochsommer: für mindestens fünf Monate. Traumhafte Aussichten. Hat jemand was dagegen?


Dienstag, 4. Januar 2011

Aareweg zum x-ten Mal ...

Unser Büro ist noch immer Baustelle.



Zur Beruhigung: die Arbeit wird anderswo erledigt: in benachbarten Räumen, im Café, zuhause ... Notebook und Wireless sei Dank. Der Ausgleich findet ohnehin draussen statt, in Form eines Laufes entlang der Aare, wie schon viele Male. Heute ist es wieder kalt und grau, die Wege ziehen sich endlos dahin. Der Boden, hier normalerweise feucht und federnd, ist beinhart gefroren; die Füsse werden schneller müde als sonst. Das Auge findet kein beruhigendes Grün, kein Vogelgezwitscher erfreut das Ohr. Die hübschen Dinge findet man erst beim genauen Hinsehen ...


Montag, 3. Januar 2011

Start zur Rennvelosaison?

Man kann vom Winter halten, was man will. Ich stehe dazu: hier unten im Flachland kann er mir gestohlen bleiben. Der zweite Weihnachtstag ist eine Ausnahme - glitzernder Pulverschnee und vor allem: Sonne und blauer Himmel, so dass die Stimmung leicht und die Gedanken frei werden. Dann jedoch fertig Ausnahme und tagelang wieder Regel: ein Himmel in der Farbe von Haferschleim und auf den Feldern müde Schneereste, welche direkt zu Nebel werden. Nun gut, nach sieben Tagen Grau zeigt sich wieder Licht, und wie! Mich packen Frühlingsgefühle und das Rennvelo auch, es ruft aus der Garage. Sollen andere sich am Skilift die Beine in den Bauch stehen oder auf vereisten Pisten herumkratzen: mir gehört heute die Strasse, mir ganz allein. Eisfrei und trocken, kaum jemand ist unterwegs, wunderbar.


Da fühle ich mich wie ein König auf dem Hochrad und radle, bis die Sonne ihre flache Bahn hinter dem Waldrand fortsetzt und mir die Kälte durch die Handschuhe dringt. Kaum zu glauben, dass schon in wenigen Monaten hier Grillen zirpen und das Heu gemäht wird ...